Elektromobilität satt statt Elektroautos

Subventionen heißen jetzt Prämie, der Abwrackprämie1folgt die Kaufprämie für Elektrofahrzeuge. Damit hat die schwarz-rote Große Koalition schon das zweite Nothilfeprogramm für die deutsche Wirtschaft in Gang gebracht, die trotz Rekordgewinnen den Anlasser an der Elektromobilität nicht findet. Dabei macht Deutschland schon seit Jahrzehnten vor, was Elektromobilität satt heißen kann: Von kurz hinter Sylt bis Berchtesgaden, von Aachen bis Frankfurt an der Oder kann man mit E-Lok und Elektrotriebwagen fahren, ohne das man darum einen großen Aufriss macht. Deutsche Bundesbahn einst, Deutsche Bahn AG heute hat sogar ein eigenes Stromnetz. Aber der Deutsche an sich ist eben gern faul, will direkt vor der einen Türe ein- und an der anderen Türe aussteigen. Klar wird der ÖPNV auch gefördert, aber staatlich gegenüber dem Anbieter, so wie bei den Autobahnen, die auch in Deutschland endlich privatisiert und kostenpflichtig werden müssen. Sei es drum.

Nach der Abwrackprämie verkündete die zweite Große Koalition nach der Wiedervereinigung nun bereits die zweite indirekte Subvention für die Automobilindustrie. Die zündende Idee war das aber nicht, denn anstatt einen großen Wurf kommt für die Infrastruktur nur gerade einmal ein Zehntel der Fördersumme auf den Tisch. 300 Millionen Euro zur Förderung von Stromtankstellen sind ein Witz, und zwar kein guter.

Das man jetzt eine Kaufprämie in Aussicht stellt, kommt wieder nur denen zu Gute, die es sich ohnehin leisten können Neuwagen zu kaufen, d.h. den Besserverdienenden. Denn jene »early adopter«, die nicht einmal 50000 Besitzer von Elektroautos zum heutigen Stichtag werden ihres nicht los um sich von der Prämie einen vergünstigten Neuwagen kaufen zu können. Gute Entscheidung daher der Abwrackprämie 2.0 nicht auch noch einen Namen zu geben. Diese Subvention für Elektroautobauer ist einfach nur ein Fördertopf, so unkreativ in der Namensgebung wie im Zuschnitt der Förderung: Etwas Geld für reine Elektroautos, etwas weniger für Hybride, eben ein Geldgeschenk für Besserverdienenden. Dies kommt ohne einen schmissigen Begriff wie eben den der Abwrackprämie aus, erwartet (seitens des Kunden) keine Gegenleistung – wie die Verschrottung des Gebrauchtwagens, und ist mit 4000 Euro fast doppelt so hoch wie seinerzeit bei der Rettung der Industrie im Rahmen der Finanzmarktkrise 2009.

Und es ist aufgrund der schwindenden Kaufkraft jenseits des Weißwurstäquator vermutlich eine Subvention, die nur dort ankommt, wo Elektroautos ohnehin Konjunktur hatten: In den Autoindustriestandorten Bayern2 und Baden-Württemberg3 waren bereits vorher beinah jedes zweite Elektroauto gemeldet. Zählt man Niedersachsen4 dazu, mehr als die Hälfte aller Elektroautos. Diese Mischung aus Lokalpatriotismus und Kaufkraft wird die Elektromobilität in die ohnehin schon gut erschlossenen Gegenden bringen, und der Tropfen von 300 Millionen Euro für Stromtankstellen wird kaum tragenden Zapfsäulen der Elektrorepublik werden.

Mal angenommen dieses Geld würde nicht mit der Gießkanne an Investoren verteilt, also ein oder wenige möglichst günstige Anbieter stellen Zapfsäulen zu je 20.000 Euro auf – alles inklusive wohlgemerkt, ziemlich günstig, aber mit Rahmenverträgen denkbar. Aufgeteilt ergäbe die Summe von 300.000.000 Millionen Euro, also mit vielen Nullen, 15.000 Stromzapfsäulen im gesamten Bundesgebiet. Klingt erst mal nicht schlecht, entspricht aber leider nur der Zahl herkömmlicher Tankstellen im Bundesgebiet. Für den Tankvorgang an einer solchen vergehen an einer der meist vielzahligen Zapfsäulen meist nur wenige Minuten, sogar wenn man volltanken möchte. An einer Stromzapfsäule stehen meist nur ein, zwei Autos und über einen längeren Zeitraum. Die Fördersumme ist – um es etwas plastischer auszudrücken – geeignet eine Steckdose für den Fön im Bad anstatt dort im Schlafzimmer der Nachbarn anzubringen. Also alles nur heißer Wind?

Alles wie immer, wie immer alles unausgegoren. Das Beispiel am Ende zeichnet vor allem auf, das de schwarze Null, die regiert und die Schwarze Null propagiert, nichts von Wirtschaft verstehen. Während nämlich so eine lächerliche Summe ausgegeben wird, um der Autoindustrie zu deren Zukunftsrettung beizuspringen wird zeitgleich noch in rückständige Technologien, wie etwa Kohleenergie investiert, oder erinnert sich nicht noch jemand an die aufgeregte Debatte rund um die stillgelegten aber auf Vorrat verfügbaren Kohlekraftwerke? Eben.

(Update #1) E-Bike von der Förderung ausgeschlossen

Auf dem Fahrradblog wird nicht nur darauf aufmerksam gemacht, das es sich um eine Prämie nur für ein E-Auto, nicht für E-Mobilität handelt. Ein anderer Aspekt, der mit der Kaufkraft und Alltagstauglichkeit der Elektromobilität zusammenhängt wird skizziert: »Kaum ein E-Auto, das jetzt eventuell verkauft werden wird, wird einen Verbrenner ersetzen. Mittelfristig werden nun noch mehr Autos auf den Straßen unterwegs sein oder die Städte zuparken. Letzteres in erster Linie.« Soll heißen das hier Leute, die es sich leisten können ihr ökologisches Gewissen zu erleichtern, indem sie einen Kaufanreiz nutzen, werden gefördert, die Autoindustrie im Speziellen oder Elektromobilität im Ganzen aber leider nicht.

  1. Neusprech: Umweltprämie []
  2. BMW, Audi []
  3. Porsche, Mercedes Benz, Smart []
  4. Volkswagen []

Google, der 76% Player, der Wettbewerber und die Europäische Union

Kartellwächter der EU haben Android ins Visier genommen. Über dessen knapp 80% Marktanteil drücke die Alphabet Inc. Nutzern eigene Software auf, so deren Einschätzung. Warum diese sog. »Bloatware« keineswegs und gerade doch so sehr an den die EU ./. Microsoft Internet Explorer erinnern, den die Wettbewerbsrechtler vor vielen Jahren auf dem Kieker hatte, und was das alles mit Edward Snowden zu tun hat?

Nachdem klar war, das Obama Merkels Telefonate regelmäßig belauscht kam Merkel auf eine glorreiche Idee: Sie forderte von der hiesigen IT bei einem der zahlreichen Gipfel ein „eigenes Google“. Und daran kann man schon ablesen wie weit es Konservativen mit der Kreativität und Problembewusstsein ist. Denn natürlich bliebe Google einerseits Markt beherrschend, es sei denn den deutschen Softwareingenieuren fiele zur Abwechslung doch mal wirklich etwas ein und die das zustande bringenden Start ups würden entsprechend angeschoben. Dennoch würde nicht nur die Suchmaschine zu ersetzen sein, sondern auch die Android geschimpfte Betriebssystem-Simulation aus dem Haus Alphabet Inc., wie die Holding sich inzwischen nennt. Denn neben der Suche und darüber mit Werbung generierten Umsätze hat sich das Hardware-Geschäft inzwischen zum zweiten Standbein gewandelt, wenngleich nicht zu einem rentablen, aber das konnte Microsoft als Hardware-Hersteller auch noch nicht von sich behaupten. Wohl aber, das man bereits einmal wegen Wettbewerbsverzerrung vor der Europäischen Union zu verantworten hatte, die auch einmal eine vergleichbare Summe gefordert und nur einen Bruchteil verlangt hatte – aus etwa 7 Milliarden US-Dollar wurden letztlich 500 Millionen Euro, und damals veranschlagte man diese Summe noch für eine Software, die über den Horizont geneigter Köpfe hinaus Verwendung fand. Für Android hätte die EU also nun gern beinah die selbe Summe, und das für Wegelagerei. Denn wer ein Android-Gerät an den Markt bringen will, und derer gibt es viele, auch von nicht so Prominenten wie dem Platzhirsch Samsung, der muss neben dem Betriebssystem eine Vielzahl für Alphabet Inc. lukrative Gatekeeper wie Google Music, Google Books, Google sonstwas nicht irgendwo auf dem Endgerät unterbringen, sondern möglichst weit vorne. Über die generiert man kleinere und größere Umsätze seitens der Benutzer, die sich zwar Micropayment nennen, aber das ganz große Geld versprechen. Demgegenüber hat Microsoft für denselben Betrag damals nur einen wenig lukrativen Browser abgegolten und sich darüber hinaus auch noch dazu verpflichten müssen, per »Browserchoice« Werbung für alle Mitbewerber zu machen. Man kann hieran schon ablesen, worauf ich hinaus will: Bei der Europäischen Union wird hinsichtlich Wettbewerbsrecht mit zweierlei Maß gemessen. Denn ziemlich sicher wird auch die Alphabet Inc. nicht mit der in Rede stehenden Höchststrafe rechnen müssen. Und das obwohl mit Google Play jeden Tag – auch noch über Irland unversteuert – satt Umsatz gemacht wird. Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, all das anzugehen: 1. Die Marktmacht von Google in dem Bereich durch mehr Wettbewerb kaputt zu machen, also auch mal wieder ein iPhone zu kaufen oder Windows Mobile eine Chance zu geben. Der Markt wird es schon richten? Dann aber los! 2. Die lukrativen Öko-Systeme hinter iOS und Android müssen endlich eine offene Alternative bekommen. Im neuesten Microsoft Edge ist eine entsprechende API hinterlegt, die vielversprechend aber noch wenig verbreitet ist, denn: Obwohl Google Chrome und Apples Safari gern mit Standards werben, haben sie in den letzten Jahren immer weniger dafür getan. Und mit einer API, die Zahlungen fernab der eigenen Zahlungsströme ermöglicht wird das aller Voraussicht nach nicht besser. 3. Europa muss wirklich mal den Arsch hoch kriegen und die digitale Revolution nicht nur als Worthülse verballern. Es gibt ja ein paar nette Netzökonomie-Ansätze in Berlin und darüber hinaus.

Alles in allem fehlt es aber 2016 immer noch an Infrastruktur, Innovationskultur und Investitionsanreizen. In Sachen Infrastruktur: Innerhalb der EU müssen die Wettbewerbswächter sich die Netze ansehen; Telekom und andere Monopolisten der letzten Meile müssen eliminiert und gemeinnützig in Bandbreite investiert werden. In Punkto Innovationskultur: Ideen genießen den Ruf vergänglich zu sein, und viele verkaufen sie lieber an liquide Investoren; aus dem selben Grund werden viel zu viele davon nie realisiert während in den USA zeitgleich Milliarden werden ohne das ein Lid zuckt. Und zu guter Letzt Investitionsanreize: Wenn (insbesondere Firmen-) Erbe steuerfrei bleibt, der bürokratische Aufwand einem Startup ohne Kapazitäten in den Ruin führen kann, läuft was falsch und der Markt richtet nur und nicht es.

Google bzw. die Alphabet Inc. haben binnen einer Dekade nicht nur einen Markt beherrschenden Marktanteil erlangt, sondern Apple aus demselben gerade erst entstandenen Markt mit einem viel schlechteren Produkt verdrängt. Und während dessen hat die Europäische Union genau so zugesehen wie bei der Besteuerung deren Umsätze. Die Kartellwächter der Europäischen Kommission sind so träge wie unsere, im Zweifelsfall agitiert der Wirtschafstsminister denen sogar in die Parade. Aber hier bestehen übergeordnete Interessen. Wenn die EU hier mal Interessen vertritt anstatt sich die Zeit vertreiben, dann ja ihre ureigenen: Das alte Europa wieder zur Keimzelle kultureller und kapitalistischer Modelle werden zu lassen. Wenn nicht die alle und alles bedrohende allumfassende Digitalisierung die Risiko und Chance zugleich ist?

Die Ware Wort

Medienkritik führt zu Medienkritik führt zu Medienkritik. Das weiß Jan Böhmermann und spielt damit in seiner Sendung, die inzwischen vom Spartenkanal in das Hauptprogramm gewechselt ist. Das die Massenmedien das nicht begreifen hat man bei realvirtuality.info aufgegriffen, was ich dem einleitenden Satz gemäß standesgemäß kommentiert habe (hier die korrigierte Fassung, Tippfehlers wegen):

Böhmermann macht sich über viele lustig. Da die meisten keinen Humor haben, nehmen sie ihm das übel. Und das ist gerade bei Journalisten schlecht: Sie hätten ja theoretisch als Neutrum aufzutreten, selbst in der Introspektive. Stattdessen wird etwa in Punkto Leistungsschutzrecht berichtet als wäre es die Ultima Ratio für das Internet, es wird genüsslich über Einsparungen bei Konkurrenz her gezogen, und Kritiker und Konkurrenten wie Böhmermann und Blogs werden diskreditiert, um sich selbst über Wert zu heben.

Was viele aber vergessen: Die Ware Wort hat der Journalismus selbst abgewertet, indem er es kostenlos anbot. Anstatt auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was es für deren Wert bedeutet das Nachrichten kostenlos abrufbar sind, hat man sich ins Internet verlegt und und sie dann geschmeidig den jeweiligen Trends (Klickstrecken, Multimedia, …) angepasst, um dabei über die (immerhin 20!) Jahre zugesehen wie die eigenen Auflagen wegbrechen.

Zeitungen agierten wie Zombies, deren Wirt sich selbstbestimmt seinem Schicksal hingegeben hat, getreu der Hoffnung das man als solcher zwar nicht mehr besonders intelligent und schnell agieren kann, aber immerhin noch auf den Beinen steht. Manches Verlagshaus hat sich dabei noch ein drittes Standbein zugelegt und verkauft neben Apps auch Zugangsgeräte wie Tablets. Letztlich werden sie damit nur noch mehr Mittelsmänner für das was neben den Apps an Alternativen im Internet zur Verfügung steht.

Jan Böhmermann macht sich lustig, das ist wahr. Dabei ist das keine Respektlosigkeit, sondern ein gut gemeinter Weckruf. Dummerweise können viele Adressaten das nicht unterscheiden, und höchstwahrscheinlich hat er das einkalkuliert: Denen ist dann eh nicht mehr zu helfen.

Das schwarze Gold aus dem wilden Osten

Es braucht Hinweisgeber auf als Propaganda verschrieene
oder alternative Nachrichtenportale um die wahren Ursachen für die Flüchtlingsströme zu benennen: In der Türkei herrscht ein Präsident namens Erdogan, der nicht mitbekommen haben will, das Daesh jeden Tag Millionen damit verdient, erbeutetes Erdöl mit Tanklastern auf dem Landweg in die Türkei zu transportieren, wo der Energieminister seiner Familie entstammt und wo der Schwiegersohn mit eigenen Tanklastern am billigen Öl aus dem von der Terrormiliz Daesh kontrollierten Ölfeldern Weltmärkte beliefert.

Ein Schelm wer Böses dabei denkt, aber fest steht: Der Westen hat Finanzströme wie diese nach 9/11 als Finanzierung des Terrorismus identifiziert, gab vor sie trocken legen zu wollen und führte hierzulande als auch in Übersee Sicherheitsgesetze ein, die ihm großzügigen Zugriff auf das Bankensystem erlaubten, obwohl schon früh fest stand, das vor allem elektronisch nicht erfasste Transaktionen dazu genutzt wurden, Terrorismus zu finanzieren.

Nun aber bemächtigt sich ein Terrorregime namens Daesh natürlicher Resourcen, findet im islamischem Nachbarstaat zugleich einen Verbündeten, der sich noch zudem Geldwäscher andient, die ganze westliche Wertegemeinschaft sieht Jahre lang zu und berichtet an der Heimatfront vom erfolgreichen Kampf gegen den Terror; und als der Nestbeschmutzer Vladimir Putin genau das offen legt und der Terror ausweislich zweier Anschläge in Paris auch in Europa angekommen ist, sind wahlweise Putin oder die vor den dort herrschenden Zuständen flüchtenden Asylbewerber die Wurzel allen Übels?

Es gibt beinah so viele Artikel über die ESC-Absage an Xavier Naidoo wie für die kriminellen Machenschaften von Erdogan-Clan mit Daesh? (!) Go fuck yourself, Qualitätsjournalismus!1!!

Zu Panik oder Depression besteht kein Anlass!!1!

Zu Panik oder Depression besteht kein Anlass. (Schäuble, Q)

Dies Zitat von Wolfgang Schäuble reiht sich ein in eine Vielzahl hochkarätiger Propaganda der Union, wie dem unvergessenen »Die Renten sind sicher.« von Norbert Blüm; und es besteht neben Floskeln wie „Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung.“, das ich persönlich bewusst das erste Mal vernahm als in der Ukraine in Tschernobyl ein Super-Gau die These widerlegte das so etwas nur alle Millionen Jahre vorkomme weil „Atomkraft sicher“ sei. Trotzdem durfte ich fortan nicht mehr auf den Bolzplatz und Pilze waren fortan Tabu,

Erkennt die Lügen und Lügner, wenn ihr sie hört und seht; Lügen haben kurze Beine.

Das gefallene iPhone

Update

Zurück am Computer staunte ich nicht schlecht: Dieser Beitrag hatte ein paar Leser gefunden, dabei war ich offenkundig nicht der einzige, der das Video zum Thema gemacht hatte. Neben den inzwischen schon zu den klassischen Medien zählenden wie Mashable, Gismodo und Huffington Post griffen auch Blogs die Geschichte auf, darunter die üblichen Verdächtigen Stadt Bremerhaven und dressed like machines, aber mir auch bisher gänzlich unbekannte wie Jannewap, blogtogo.de, ein Hinweis auf dasklonblog.com mit einem Video der Blue Man Group und Stadtkind Frankfurt mit Bildern vom Frankfurter Apple Store mit Drängelgittern: Ordnung muss sein! Damit sind gleich mal wieder ein paar neue Blogs in meinem Feedreader gelandet.

Als Windows Phone-Nutzer der ersten Stunde verspürte ich im ersten Moment eine gewiss Schadenfreude, als ich von der Nachricht las: Das soeben erworbene iPhone 6 sei einem Kunden direkt aus der Packung auf den blanken Asphalt gestürzt. Obwohl ich es nicht stürzen sah, wusste ich instinktiv: Das ist ein tolle Schlagzeile. Das war primitiv. Dafür schämte ich mich sofort und suchte nach einer schlüssigen Ausrede für mein dämliches Grinsen.

Die fiel mir auch sofort ein. Natürlich richtete sich der Spott nicht etwa gegen einen der zigtausend vor den Apple Stores auf allen Kontinenten kampierenden Apple-Fanboys: Der eine Apple-Fanboy, dem das Missgeschick geschah, war vor lauter Aufregung durch die laufende Kamera nebst Live-Übertragung ins landesweite Fernsehen etwas passiert das dem normalen Konsumenten gewiss nicht unterlaufen wird.

Weil sie nicht in Echtzeit in Millionen Fernseher landesweit übertragen werden. Und es wird ihnen nicht passieren, weil nicht neben jedem Apple-Fanboy ein blöder blonder Erzengel des Qualitätsjournalismus steht, der ihn noch auf der Schwelle des Apple-Store dazu nötigt das Gerät auszupacken. Sie werden es in der Regel wie rohe Eier behandeln, wenn nicht gerade Helmut Kohl in der Nähe ist. Der wenig eloquenten Reporterin vor Ort gelingt es aber nicht einmal allein ihr Mikrofon zu halten, wobei ihr der junge Mann zunächst noch hilft. Als sie ihm dann den Überzieher um die Verpackung entfernt, kommt es zunächst zur Staffelübergabe, Mikrofon gegen Verpackung. Und als die Verpackung ob des darin entstehenden Unterdruck ihren Inhalt nicht sofort preis gibt, hilft er nach bis das fabrikfrische iPhone 6 zu Boden fällt, da es aus weder irgendwie befestigt ist noch die Verpackung das ankündigt.

Apple hat sich offenbar zum Ziel gesetzt das iPhone beim Kunden wie in einer Mischung aus Schrein und Bahre zu präsentieren. Kann man machen, dann ist man allerdings scheiße. Jeder gute Ingenieur hätte davon abgeraten. Wie man so was macht kann man beispielsweise beim HTC 7 Pro sehen.

Doch meine Kritik richtet sich nicht in erster Linie an mich selbst, die blöde Trutsche vom TV oder Apple. Ich empfinde es eher als bezeichnend, das ein Wirtschaftsmagazin wie das Handelsblatt das als Aufhänger für die Berichterstattung zum Verkaufsstart des Apple iPhone 6 macht. Dem entsprechend hart habe ich auf Twitter reagiert. «Geht sterben.« habe ich der Redaktion auf die Ticker-Meldung via Twitter geantwortet. Mehr noch, man gibt den schadenfreudig erregten Lesern sogar noch Handlungsanweisungen: »Sollte sich das Video nicht öffnen, können Sie es über diesen Link direkt ansehen.«

Damit meinte ich natürlich die gesamten verkommene Medienbranche, die erst Unmengen damit verdient die Geräte zu teasern und um dann deren Konsumenten vorzuführen. Der blonden Frau steht die Schadenfreude mindestens ins Gesicht geschrieben, weil sie vermutlich den selben Kurzschluss im Gehirn erlitt wie ich: Man kann das Phänomen nicht verstehen, darum verlacht man es. Ich bedaure die Frau mindestens so wie den jungen Mann wie mich. Aber das Handelsblatt macht daraus eine eigene Story. Das ist so als würde ich über jeden einzelnen der 200 gefeuerten Mitarbeiter der FAZ einzeln berichten. Das Handelsblatt war verdammt nochmal ein Wirtschaftsblatt. Die sollten sich auch so verhalten. Stattdessen erniedrigen sie sich selbst zu einer dicht bedruckten, orangefarbenen BILT. Bedauerlich.

Das Fracking-Moratorium

Schwarzgelb hatte Fracking letzten Sommer kurz vor der Wahl eine Absage erteilt: Am 4. Juni beschloss die Fraktionssitzung von CDU/CSU das vorläufige Ende der Risikotechnologie. Merkel und ihre Union schloss damit auf zu Peer Steinbrück und der SPD, deren Regierungsprogramm sich seinerzeit wie folgt las:

Es fehlen noch viele und grundlegende Informationen, um die Auswirkungen und Risiken der Fracking-Technologie zu beurteilen. Wir setzen uns für einen Verzicht des Einsatzes von Fracking ein, bis alle Risiken für Gesundheit und Umwelt bewertet und ausgeschlossen wurden. Dieses Moratorium soll so lange gelten, bis Fracking-Metho- den ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, die zu einer schädlichen Veränderung des Grund- und Trinkwassers führen, zur Verfügung stehen.
Quelle: Formulierung im Regierungsprogramm der SPD zur Bundestagswahl 2013, S. 42

Und wie bei der „Merkelsteuer“ bahnt sich nun in der Großen Koalition eine Gleichung der Form 2+0=3 an: Weder soll ganz darauf verzichtet werden – wie von der Union populistisch in der heißen Wahlkampfphase eingeleitet, noch werden Forschungsergebnisse abgewartet, wie dem hohen zweistelligen Prozentsatz der Deutschen versprochen, die das experimentelle Fracking ablehnen. Nun will die neue Bundesregierung Fracking erlauben – trotz neuer Risikostudie. Das die Folgen für die Umwelt durch die in das Grundwasser injizierten Chemikalien noch nicht abschätzbar sind, vor allem die langfristigen Auswirkung und die bei massenhaftem Einsatz, dessen ist man sich sicher.

Das man ohne Gas aus Russland mit einer Energiekrise zu rechnen habe, die mit jener von den OPEC-Staaten verursachten gleich kommt, muss die Motivation sein über das Risiko für die Umwelt so wie damals für den Weltfrieden hinweg zu sehen. Seither demokratisieren die USA in schöner Regelmäßigkeit Erdöl-fördernde Länder und beuten ihre eigene Natur bis zur Unkenntlichkeit aus. Obama scheint genug Druckmittel aus den Telefonaten von Merkel in der Hand zu haben, um ihr den Wirtschaftskrieg mit dem europäischen Nachbarn aufzuzwängen. Obama scheint die Zerstörung von Alaska, der Küstenlinien der USA und die tödliche Gewaltspirale der „Allianz der Willigen“ gegen die islamische Religion und die arabischen Halbinsel noch nicht zu genügen. Stattdessen zwingt er Europa in einen Konflikt den weder Putin und Russland noch Obama und dessen hiesige westlichen Satellitenstaaten gewinnen können. Damit man mit einem Boykott Russlands auch ohne dessen Zulieferung von Gas zurecht kommt, so scheint sich hingegen die Bundesregierung sicher, will man nicht nur Fracking massenhaft zum Einsatz bringen. Das Repertoire nicht zu Ende gedachter, rumweltzerstörerischer Technologie ist groß, und die Energieunternehmen verabschieden sich zur Zeit pünktlich von Altlasten wie Atomkraftwerken, für die aus Russland ebenso kein Uran mehr geliefert würde, und wenden sich zuvorderst mit ihren Werbeagenturen und Wissenschaftlern neuen Themen zu die sich vermarkten lassen und Milliarden öffentlicher Förder- und Forschungsgelder versprechend, bis sie industriell ausgebeutet und schließlich auch wieder als Altlast an den Staat abgestoßen werden können. Der nun in aller Munde befindliche „neue Kalte Krieg“ hat längst begonnen, und es ist zum Großteil ein Wirtschaftskrieg. Er kommt in Form eines neuen Pakts daher, dieses Mal aus dem Westen. Der Washingtoner Pakt mit der EU verspricht ja nicht nur Chlorhühner und Genmais. TTIP verspricht eine Abgrenzung der beiden dahin vegetierenden Märkte Europa und USA zu einem nach Osten abgegrenzten Wirtschaftsraum, der sich gegenseitig bevorteilt. Hiermit will man aber nicht nur Russland und China ausgrenzen, den USA geht es auch darum den florierenden Handel mit Südamerika zu regulieren, und die Zukunftsmärkte dort unter seine Kontrolle zu bekommen.

Also kein vorläufiges oder gar endgültiges Ende von Fracking, keine weiteren Untersuchungen abwarten, keine Bedenkenträger zulassen, sondern: Fracking vorbehaltlos erlauben. Das eine mit nahezu 80% gewählte Bundesregierung 80% der Bevölkerung derart ignoriert ist ein Novum. Es ist die „Legal, illegal, scheißegal.“ Einstellung die ihr von den 30 Prozent der Wahlberechtigten (vulgo: Nichtwähler) unterstellt wird und die Politikverdrossenheit zusätzlich anfacht.

Yahoo, Irland!

Yahoo schrieb mir neulich, man zöge um, nach Irland.

Wir möchten Sie hiermit darüber informieren, dass wir als Folge einer Umstrukturierung unserer europäischen Konzerngesellschaften unsere Online-Dienste ab dem 21. März 2014 von einer einzigen europäischen Gesellschaft anbieten werden, deren Sitz in Irland ist.

Da die 100 Tage währende Schonfrist für unsere neue Bundesregierung – mal ganz abgesehen von der unserer untätigen Kanzlerin – abläuft, bin ich schon gespannt wie die schwarzrote Große Koalition Google, Yahoo und Co. ihre Steuer optimierten irischen Firmensitze abringen will, wenn sie nicht mal im Sinn von 80% der 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger in den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gegen Genmais abzustimmen in der Lage ist.

Angora

90 Prozent der weltweit gewonnenen Angorawolle kommt aus China, das der zugrunde liegende Fell steuern Hasen bei. Das folgende Video zeigt verschiedene Szenen der Prozedur, jede für sich nichts für schwache Nerven und alles in allem mehr als Tierquälerei.

Wenn man sich die Stellungnahme des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels1 so anhört kann einem Angst und Bange werden, der sagt nämlich das »für den klassischen Modehändler wahrscheinlich schwierig zu reagieren (sei, da d) ie meisten Händler (…) kaum einen Überblick darüber haben, welche Pullover einen Angora-Anteil enthalten«, Da man bei Produktion aus chinesischer Produktion generell vorsichtig mit Inhaltsstoffen sein sollte, könnte man auch schlicht und einfach sagen: Finger weg von Kleidung die in China produziert wurde, denn ob dafür Tiere gequält werden, Chemikalien beigemischt oder Menschenrechte ignoriert weiß man im Zweifelsfall nicht.

Anstatt durch den Kauf von Angora diese Tierquälerei mit zu finanzieren können sie neben den Verzicht darauf die Organisation Peta finanziell bei dieser Kampagne unterstützen.

  1. kurz: BTE, in Persona: Sprecher Axel Augustin []