Burkini


Burkini bestimmten vergangene Woche die Debatte in Frankreich und in dieser Woche nun auch in Deutschland; sehr passend, denn nur da, und das hat auch seinen Grund: Das an den Regeln des islamischen Glaubens ausgerichtete Kleidungsstück für wassersportliche Frauen ist eine westliche Erfindung. Eine Designerin hat die Burka schlicht den Erfordernissen der Nutzung im Wasser angepasst, in dem flatternde Kleidungsstücke für gewöhnlich dazu neigen zu sehr körperbetonten zu werden. Wie der oben verlinkte Google Trends Datensatz zeigt, sind es ausschließlich westliche Länder, in denen der Burkini als Suchbegriff gefragt ist, darunter vor allem die unter erheblichem rechtskonservativem Druck stehenden, wie Deutschland, Österreich die USA und die skaninavischen Länder, und nicht zuletzt und den größten Ausschlag hervorbringend: Frankreich. Dort war der Burkini für kurze Zeit aus der öffentlichen Debatte nach den Anschlägen nicht mehr wegzuredigieren, obwohl Frauenrechte, die der Burkini zu fördern beabsichtigt, absolut nichts mit Terrorismus zu tun hat. Dennoch hat Thomas de Maizière den Burkini nun auch in Deutschland in die Debatte eingebracht, genau eine Woche nachdem die Diskussion darum in Frankreich hoch schwappte, wie man in Google Trends sehr gut nachvollziehen kann. Was sagt uns das? Das dies von den »CDU Innenministern« einfach in der letzten Woche in ihr tolle Sicherheitskonzept für Deutschland aufgenommen wurde, weil es beim Nachbarn auch so gut funktioniert. Das Wort ist kurz, erinnert an die Ganzkörperverschleierung in Afghanistan, wo Deutschland seit Jahrzehten so wertlose Arbeit leistet, und es zielt auf eine Personengruppe die per se schon kaum Teilhabe genießt, und von der also auch keine Kommentare oder gar substanzieller Widerspruch zu erwarten ist. Kurzum: Die CDU macht auf dem Rücken der weiblichen Bevölkerungshälfte der islamischen Welt erzkonservative, erzreaktionäre und in aller erster Linie Schaufenster- und Symbolpolitik, die nur zu subjektivem Sicherheitsempfinden beiträgt, aber gleichzeitig weder den unmittelbaren noch mittelbar Betroffenen hilft. Und prompt schlägt der Bullshit-Barometer von Google Trends ein zweites Mal aus, diesemal vor allem in Deutschland.

Ana Ivanovic, Schweinsteigers neue Freundin?

Bastian Schweinsteiger dürfte es sportlich nehmen: Ana Ivanovic ist derzeit gefragter als der Fussballweltmeister, Bayern-Star, die #1 der Nationalelf. Dabei versteigen sich die Boulevardblätter in ein Gerücht, nämlich das Tennisstar Ana Ivanovic Bastian Schweinsteigers neue Freundin sei. Doch nach unwidersprochener Selbstdarstellung der drei, ist er noch und seit 2007 mit dem Model Sarah Brandner liiert.

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Nochmal: Das die beiden ein Paar seien ist nicht bestätigt, was die beiden privat machen hat niemand zu interessieren. Dennoch füllt die soeben begonnene Story die schon hunderte Artikel, ausweislich der Ergebnisse von Google News. Dabei ist alles, von reiner Fleischbeschau bis zu kritisch-distanzierter Berichterstattung. Dabei schrecken die Boulevardmedien nicht davor zurück ihre dünne Faktenlage sogar mit Aberglauben (»Auf Ivanovics Ex-Freunden liegt ein Fluch«) oder ihre Leserschaft um eine Einschätzung zu bemühen (»So reagiert das Netz«). Nur eben keinen der drei Beteiligten. Nicht Bastian Schweinsteiger auf seinem knapp 8 Millionen Fans starken Facebook Profil, und vermutlich ebenso wenig Sarah Brandner oder Ana Ivanovic. Letzter darf sich wahrscheinlich darüber wundern, dass die Massenmedien ihr persönliches Bildmaterial verwenden. Eben weil sie können. Oder weil sie glauben es zu dürfen. Und warum fragen sie nicht, weder nach den Bildrechten, noch nach dem Beziehungsstatus von Bastian Schweinstieger? Weil es sie eben nichts angeht. Und weil die schon erwähnte Millionenauflage sofort die popeligen Nischenblättchen aus dem journalistischen Schmuddelecke als solche outen würde.

Natalie KlitschKO ihr Vitali

Knapp 11 Millionen Zuschauer saßen gestern vor den Fernsehern um sich den Kampf Vitali Klitschko gegen Juan Carlos Gomez anzusehen, und bekamen den 37 Knock Out von Dr. Eisenfaust zu sehen. Persönlich bin ich weder ein Freund von Boxkämpfen, noch von Bild, aber das mitreißende Portrait des gestrigen Kampfes ist, wofür das Blatt gemacht wurde. Nicht nur seine Gegner, auch »Promis, Fans und Frauen« haue der Sportwissenschaftler mit Doktortitel um. Volltreffer auch für das Boulevardblatt.

Nachdem man die „Key Facts“ zum Fight abgefeiert hatte – mit welchem Song der Titelverteidiger einzog, wie viele Zuschauer mehr den Faust- als den (im wahrsten Sinne des Wortes) Wettkampf »Wetten das…!?« mit Thomas Gottschalk sehen wollten, wann (9. Runde) es zum technischen K.O. gekommen sei – geht Bild bereits zum Privatleben über, und darauf ein wie viele Kinder die Familie Klitschko zählt, wie alt die sind, warum Natalie Klitschko ihren Vitali liebt, man erfährt sei wann das ungleiche Paar aus Boxer und ehemaligem Modell verheiratet sind und warum sie in der ersten Reihe sitzt während ihr Mann im Ring eingeschenkt bekommt.

Wenn der Leser dann noch von seinen fremdsprachlichen Fähigkeiten, vom politischen Engagement, davon erfährt das Klitschko am Tag darauf mit Kaiser Franz im Hotel frühstückt, kann er darüber spekulieren ob sich beide über über die kommende Fussball-EM unterhalten in deren Organisationskommittee sie sitzen.

Kurzum: Der Leser fühlt sich mittendrin.