Das linke Komplott

In der vergangenen Legislaturperiode gab es drei wesentliche Änderungen an der Medienlandschaft: 1. gelang es den Massenmedien eine an Subventionen wie den Kohlepfennig erinnernde Zwangsabgabe namens Leistungsschutzrecht zu installieren. 2. schränkte die Verbreitung digitalisierter Inhalte über das Internet seitens der Öffentliche-Rechtlichen auf einen Zeitraum von sieben Tage ab dem Datum der Ausstrahlung ein. Plötzlich verschwand das Ergebnis investigativen Journalismus von Monaten binnen sieben Tagen wieder von der Bildfläche. Die wenigen verbliebenen kritischen politischen Sendungen, die von den jeweiligen Ministerpräsidenten nicht einkassiert wurden, wurden einfach dem digitalen Zeitalter vorenthalten. Als gelte jener Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen, freie und unabhängige Berichterstattung zu gewährleisten nur für die Mattscheibe, der zum so genannten second screen verkommt, und über die Ausstrahlung in Echtzeit hinaus nur erhielten alle Beiträge eine Halbwertzeit von sieben Tagen. 3. wurde aus der von der GEZ erhobenen Gebühr für Anmelder inzwischen ja eine Abgabe für alle Haushalte. Jeder Bundesbürger vom Neugeborenen bis zum Greis muss folglich für Markus Lanz zahlen, ob er in einer Höhle haust und mit offenem Feuer heizt ist dabei einerlei. Die absurde Ungerechtigkeit auf bestimmte Geräte, die entfernt an Rundfunk erinnern, Gebühren zu erheben wurde durch eine Zwangsabgabe ersetzt, derer sich niemand erwehren kann, und der ein Millionen verzehrender Verwaltungsapparat zur Seite gestellt wurde.

All das scheint Merkel gegen Kadavergehorsam und Hofberichterstattung seitens der so genannten Freien Presse eingetauscht zu haben. Und so kommt es, wie es kommen muss. Der ohnehin von der CDU maßgeblich kontrollierte Verwaltungsrat setzt Leute Markus Lanz in eine angeblich politische Talkshow, und Hans-Ulrich Jörges zur Seite. Gemeinsam schienen sich beide als Erzengel begreifend die böse Linke Wagenknecht bekämpfen zu sollen, wollen, müssen. Markus Lanz sah dabei in erster Linie aus als brauchte er jemand der ihm souffliert, er wirkte unsicher und sollte, wollte, musste Sarah Wagenknecht bei jeder Frage schon beim spätestens dritten Wort der Antwort ins Wort fallen, um sogleich die nächste zum Teil ins Persönliche abgleitende Thema anzureißen, beispielsweise ob man im Europaparlament wirklich 7.000 Euro verdiene. Dass er für die Gage pro Tag gar nicht aufstehen würde oder das alle Abgeordneten aller Parlamente ab etwa 10.000 Euro (inkl. Aufwandsentschädigung) beziehen, und dafür teils nur seltenst im Parlament erscheinen, überließ er der Phantasie der Zuschauer. Mich würde interessieren ob Markus Lanz der FDP-MdEP a.D. Silvana Koch-Mehrin die selben Fragen gestellt hätte? Fraglos nicht. Für Jörges war das nicht genug. Sobald Markus Lanz nicht weiter wusste und nicht damit auffallen wollte von seinen Stichwortkarten abzulesen, ergriff die graue Eminenz des Stern das Wort. Die erste 30 bis 45 Minuten verstrichen ohne das die anderen Gäste Gelegenheit hatten das Wort zu ergreifen, das die Jörges und Lanz wechselweise an Wagenknecht richteten, ihr wahlweise strittige Themenfelder ihrer Partei vorwarfen um der sich partout nicht aus der Ruhe gebracht sehende Wagenknecht dann doch wieder persönlich und ehr abschneidend anzugreifen.

Den Höhepunkt hat sich Jörges allerdings für sein eigenes Format aufbewahrt: In einem „Video-Zwischenruf“ von heute unterstellt ihr vorsätzlich („Methode“) und in erster Linie „Halb- und Unwahrheiten“ zu verbreiten, setzt Die Linke tatsächlich dem „Teufel“ gleich und nennt Sarah Wagenknecht wahlweise eine „Ikone“ oder „Waffe„. Das ist Ekel erregend, selbst für diejenigen die deutsche Presse der letzten Jahrzehnte gewohnt sind.

Es geht allerdings noch runter mit dem Niveau: Die inzwischen 130.000 140.000 Unterstützter zählende Petition „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr“. Und damit zurück zur Einleitung: Wenn jeder Einwohner per Haushaltsabgabe gezwungen wird für Markus Lanz zu zahlen, wenn der fragliche Beitrag nach sieben Tagen unzugänglich gemacht werden muss, wenn das Nachrichtenmagazin Stern daraus auch noch eine Komplott oder Kampagne der Partei Die Linke erfindet, dann erhält diese neue Allianz CDU-kontrollierter öffentlich-rechtlicher und Leistungsschutzrecht-abhängiger privater Medien ein ganz fieses G’schmäckle, wie man unter Amigos so schön sagt. Das linke Komplott das Herr Jörges da herbei phantasiert muss noch aus seiner jüngen Kindheit übrig geblieben sein. Der im zarten Einschulungsalter aus der DDR von der SED weg emigrierte erinnert an mich Menschen die Trauma zu verarbeiten haben, und Wagenknecht scheint der Trigger. Für den neuen Journalismus, den an der Grasnarbe, wünsche ich mir das stoische Ruhe und das Durchhaltevermögen, das Frau Wagenknecht in der Sendung und darüber an den Tag legt.

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