Die Ware Wort

Medienkritik führt zu Medienkritik führt zu Medienkritik. Das weiß Jan Böhmermann und spielt damit in seiner Sendung, die inzwischen vom Spartenkanal in das Hauptprogramm gewechselt ist. Das die Massenmedien das nicht begreifen hat man bei realvirtuality.info aufgegriffen, was ich dem einleitenden Satz gemäß standesgemäß kommentiert habe (hier die korrigierte Fassung, Tippfehlers wegen):

Böhmermann macht sich über viele lustig. Da die meisten keinen Humor haben, nehmen sie ihm das übel. Und das ist gerade bei Journalisten schlecht: Sie hätten ja theoretisch als Neutrum aufzutreten, selbst in der Introspektive. Stattdessen wird etwa in Punkto Leistungsschutzrecht berichtet als wäre es die Ultima Ratio für das Internet, es wird genüsslich über Einsparungen bei Konkurrenz her gezogen, und Kritiker und Konkurrenten wie Böhmermann und Blogs werden diskreditiert, um sich selbst über Wert zu heben.

Was viele aber vergessen: Die Ware Wort hat der Journalismus selbst abgewertet, indem er es kostenlos anbot. Anstatt auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was es für deren Wert bedeutet das Nachrichten kostenlos abrufbar sind, hat man sich ins Internet verlegt und und sie dann geschmeidig den jeweiligen Trends (Klickstrecken, Multimedia, …) angepasst, um dabei über die (immerhin 20!) Jahre zugesehen wie die eigenen Auflagen wegbrechen.

Zeitungen agierten wie Zombies, deren Wirt sich selbstbestimmt seinem Schicksal hingegeben hat, getreu der Hoffnung das man als solcher zwar nicht mehr besonders intelligent und schnell agieren kann, aber immerhin noch auf den Beinen steht. Manches Verlagshaus hat sich dabei noch ein drittes Standbein zugelegt und verkauft neben Apps auch Zugangsgeräte wie Tablets. Letztlich werden sie damit nur noch mehr Mittelsmänner für das was neben den Apps an Alternativen im Internet zur Verfügung steht.

Jan Böhmermann macht sich lustig, das ist wahr. Dabei ist das keine Respektlosigkeit, sondern ein gut gemeinter Weckruf. Dummerweise können viele Adressaten das nicht unterscheiden, und höchstwahrscheinlich hat er das einkalkuliert: Denen ist dann eh nicht mehr zu helfen.

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