Google, der 76% Player, der Wettbewerber und die Europäische Union

Kartellwächter der EU haben Android ins Visier genommen. Über dessen knapp 80% Marktanteil drücke die Alphabet Inc. Nutzern eigene Software auf, so deren Einschätzung. Warum diese sog. »Bloatware« keineswegs und gerade doch so sehr an den die EU ./. Microsoft Internet Explorer erinnern, den die Wettbewerbsrechtler vor vielen Jahren auf dem Kieker hatte, und was das alles mit Edward Snowden zu tun hat?

Nachdem klar war, das Obama Merkels Telefonate regelmäßig belauscht kam Merkel auf eine glorreiche Idee: Sie forderte von der hiesigen IT bei einem der zahlreichen Gipfel ein „eigenes Google“. Und daran kann man schon ablesen wie weit es Konservativen mit der Kreativität und Problembewusstsein ist. Denn natürlich bliebe Google einerseits Markt beherrschend, es sei denn den deutschen Softwareingenieuren fiele zur Abwechslung doch mal wirklich etwas ein und die das zustande bringenden Start ups würden entsprechend angeschoben. Dennoch würde nicht nur die Suchmaschine zu ersetzen sein, sondern auch die Android geschimpfte Betriebssystem-Simulation aus dem Haus Alphabet Inc., wie die Holding sich inzwischen nennt. Denn neben der Suche und darüber mit Werbung generierten Umsätze hat sich das Hardware-Geschäft inzwischen zum zweiten Standbein gewandelt, wenngleich nicht zu einem rentablen, aber das konnte Microsoft als Hardware-Hersteller auch noch nicht von sich behaupten. Wohl aber, das man bereits einmal wegen Wettbewerbsverzerrung vor der Europäischen Union zu verantworten hatte, die auch einmal eine vergleichbare Summe gefordert und nur einen Bruchteil verlangt hatte – aus etwa 7 Milliarden US-Dollar wurden letztlich 500 Millionen Euro, und damals veranschlagte man diese Summe noch für eine Software, die über den Horizont geneigter Köpfe hinaus Verwendung fand. Für Android hätte die EU also nun gern beinah die selbe Summe, und das für Wegelagerei. Denn wer ein Android-Gerät an den Markt bringen will, und derer gibt es viele, auch von nicht so Prominenten wie dem Platzhirsch Samsung, der muss neben dem Betriebssystem eine Vielzahl für Alphabet Inc. lukrative Gatekeeper wie Google Music, Google Books, Google sonstwas nicht irgendwo auf dem Endgerät unterbringen, sondern möglichst weit vorne. Über die generiert man kleinere und größere Umsätze seitens der Benutzer, die sich zwar Micropayment nennen, aber das ganz große Geld versprechen. Demgegenüber hat Microsoft für denselben Betrag damals nur einen wenig lukrativen Browser abgegolten und sich darüber hinaus auch noch dazu verpflichten müssen, per »Browserchoice« Werbung für alle Mitbewerber zu machen. Man kann hieran schon ablesen, worauf ich hinaus will: Bei der Europäischen Union wird hinsichtlich Wettbewerbsrecht mit zweierlei Maß gemessen. Denn ziemlich sicher wird auch die Alphabet Inc. nicht mit der in Rede stehenden Höchststrafe rechnen müssen. Und das obwohl mit Google Play jeden Tag – auch noch über Irland unversteuert – satt Umsatz gemacht wird. Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, all das anzugehen: 1. Die Marktmacht von Google in dem Bereich durch mehr Wettbewerb kaputt zu machen, also auch mal wieder ein iPhone zu kaufen oder Windows Mobile eine Chance zu geben. Der Markt wird es schon richten? Dann aber los! 2. Die lukrativen Öko-Systeme hinter iOS und Android müssen endlich eine offene Alternative bekommen. Im neuesten Microsoft Edge ist eine entsprechende API hinterlegt, die vielversprechend aber noch wenig verbreitet ist, denn: Obwohl Google Chrome und Apples Safari gern mit Standards werben, haben sie in den letzten Jahren immer weniger dafür getan. Und mit einer API, die Zahlungen fernab der eigenen Zahlungsströme ermöglicht wird das aller Voraussicht nach nicht besser. 3. Europa muss wirklich mal den Arsch hoch kriegen und die digitale Revolution nicht nur als Worthülse verballern. Es gibt ja ein paar nette Netzökonomie-Ansätze in Berlin und darüber hinaus.

Alles in allem fehlt es aber 2016 immer noch an Infrastruktur, Innovationskultur und Investitionsanreizen. In Sachen Infrastruktur: Innerhalb der EU müssen die Wettbewerbswächter sich die Netze ansehen; Telekom und andere Monopolisten der letzten Meile müssen eliminiert und gemeinnützig in Bandbreite investiert werden. In Punkto Innovationskultur: Ideen genießen den Ruf vergänglich zu sein, und viele verkaufen sie lieber an liquide Investoren; aus dem selben Grund werden viel zu viele davon nie realisiert während in den USA zeitgleich Milliarden werden ohne das ein Lid zuckt. Und zu guter Letzt Investitionsanreize: Wenn (insbesondere Firmen-) Erbe steuerfrei bleibt, der bürokratische Aufwand einem Startup ohne Kapazitäten in den Ruin führen kann, läuft was falsch und der Markt richtet nur und nicht es.

Google bzw. die Alphabet Inc. haben binnen einer Dekade nicht nur einen Markt beherrschenden Marktanteil erlangt, sondern Apple aus demselben gerade erst entstandenen Markt mit einem viel schlechteren Produkt verdrängt. Und während dessen hat die Europäische Union genau so zugesehen wie bei der Besteuerung deren Umsätze. Die Kartellwächter der Europäischen Kommission sind so träge wie unsere, im Zweifelsfall agitiert der Wirtschafstsminister denen sogar in die Parade. Aber hier bestehen übergeordnete Interessen. Wenn die EU hier mal Interessen vertritt anstatt sich die Zeit vertreiben, dann ja ihre ureigenen: Das alte Europa wieder zur Keimzelle kultureller und kapitalistischer Modelle werden zu lassen. Wenn nicht die alle und alles bedrohende allumfassende Digitalisierung die Risiko und Chance zugleich ist?

#cablegate vs. twitter, Google und BILD: Menschliches Versagen oder technische Unzulänglichkeit

BILT Schlagzeilen

BILT manipuliert auf verschiedensten Ebenen, so auch das Ranking seiner Webseiten auf Google und deren Aggregator News. Da werden die Schlagzeilen möglichst reißerisch gestaltet, damit aus dem Betrachter der Headline möglichst wahrscheinlich ein Besucher generiert wird. Das kennt man aus den letzten Jahrzehnten BILT-Berichterstattung und ist erprobt: Was „above the fold“ stand, war Tagesthema. Inzwischen hat Google News BILT abgelöst, doch das heißt nicht das man im Hause Springer nicht weiter Themen zu setzen.

Ausnahmsweise sitzt bei BILT mal das Wichtigste korrekt wiedergegeben im Detail, in der noch fragend gestellten Überschrift »Wikileaks-Chef Julian Assange: Held oder Staatsfeind?» wird bei näherem Hinsehen Staatsfeind als Dateiname verwendet, während der Rest des Titel dem Pfad in der URL dient. Das mag (halb-)automatisch festgelegt worden sein, doch das würde sich ja leicht herausfinden lassen, indem man die Überschriften, Unterüberschriften, hieraus hervorgehende Pfade und Dateinamen einer Stichprobe frischer Nachrichten zum Thema einmal miteinander vergleicht:

  1. Wikileaks

    So spielt Wikileaks den Terroristen in die Hände

    wikileaks-liste-mit-terror-zielen-veroeffentlicht/
    so-spielt-julian-assange-den-terroristen-in-die-haende.html

    Mal ist es Wikileaks, mal Julian Assange persönlich: „Die“ spielen Terroristen in die Hände. Macht BILT mit seiner Terrorpanik selbstredend nicht, zeigt aber: Hier hat ein Eingriff stattgefunden, weil der Handelnde vertauscht wurde, und so etwas ist von einem Content Management System doch etwas zu viel verlangt.

  2. Wieder erreichbar

    Wikileaks hat 70 neue Adressen

    wikileaks/
    massen-spiegelung-internet-adressen.html

    Hier haben Titel und Untertitel so viel mit Pfad und Dateiname gemein, wie Einhörner und eine Schweinemast: Nichts. Der manuelle Eingriff ist sicher.

  3. Julian Assange

    Warum will der Wikileaks-Chef die Welt aus den Angeln reißen?

    wikileaks-chef-julian-assange/
    warum-will-er-die-welt-aus-den-angeln-heben.html

    Suggestivfragen sind die Antwort auf Alles, zumindest am Newsdesk von BILT. Die vertauschten Akteure, in einem Fall benannt im zweiten Fall nur als Referenz, spricht für händische Änderung.

  4. 35 Meter unter der Erde

    BamS im Wikileaks-Atombunker des Verrats

    wikileaks-julian-assange-besuch/
    im-atombunker-des-verrats.html

    Die Homestory aus dem Atombomben-sicheren Bunker garantiert Aufmerksamkeit, zumal mit Bildern angereichert. Der schwedische Verschlag aus den Zeiten des kalten Krieges dient dem neuen „Cyberwar“ der BILT von Wikileaks gegen die Welt, könnte man hier auch untertiteln. Mit dem Originaltext hat das aber wenig zu tun.

Wie man sieht, ist die manuelle Pflege der Dateinamen und Pfade das neue Handwerkszeug an den Schreibtischen der Redaktion im Axel Springer Verlag, für Schlagzeilen, Untertitel und Teaser, die den Leser fesseln hatte man dort ja schon immer etwas übrig.

twitter Trending Topics

Die Diskussion um die so genannten twitter Trending Topics ist trotz des Machtwort von twitter noch nicht ausgestanden. Der Vorwurf lautet twitter zensiere Wikileaks als Schlagwort, und der Ankläger hat valide Hinweise für seine These. Inzwischen hat twitter zwar dementiert, aber merkwürdig ist es schon, das #cablegate praktisch keine Rolle spielt und sogar den Weihnachtsfeiertag Nikolaus unterliegen soll.

Dafür spricht auch, das trotz des Leak von #cablegate am Sonntag, am darauf folgenden Montag der offiziellen Veröffentlichung Wikileaks kein einziges Mal als „Hot Topic“ bei Google geführt wird.

Für den Dienstag der selben Woche stehen überhaupt keine Daten zur Verfügung.