Nordkorea und Portugal im Finale – westlichen Qualitätsjournalismus, dank südkoreanischem Medienhack

Propagangnam Style: Südkoreanische Medienprofis schnibbeln ein Video zurecht, das den Eindruck vermittelt, Nordkoreas Medien vermittelten das Bild bei der Fussballweltmeisterschaft in das Finale gegen Portugal gekommen zu sein.

Und >deutsche Massenmedien wie BILT und Stern übernehmen die Meldung aufgrund eines häufig geklickten Videos ungeprüft. Wer ist da eigentlich derjenige, der das „Grobes Foul von Kim-Jong Un (…) (der) den Nachrichtenfluss im eigenen Land zu kontrollieren“ begeht? In Nordkorea ganz sicher er, in Europa füllen die selbe Funktion Silvio Berlusconi oder Friede Springer aus. Es ist halt immer eine Frage der Perspektive und wer den Propaganda-Filter geschickt genug bedient. Hut ab, Südkorea, ihr habt die deutschen Qualitätsmedien genarrt.

Andererseits kein großer Verdienst, westlichen Qualitätsjournalismus an der Nase herumzuführen, wenn der von den Verlegern ausgegebene Modus Operandi beinhaltet, Nordkorea in möglichst bizarrem Licht erscheinen zu lassen. Man fragt sich natürlich, wem es nützt, das die Welt denkt, der nordkoreanische Führer sei ein selbstverliebter Irrer, der die Medien manipuliere. Die hungernden Nordkoreaner wissen es schließlich nicht, sodass sie den Aufstand proben und den Norden des Landes die „Freiheit“ bringen würden, indem sie diese unsägliche Mauer beseitigen. Die Mauer in den Köpfen der westlichen Medien ist allein dazu da den Westen bei Laune zu halten, falls sich einmal die Gelegenheit ergibt, auf eine Provokation aus dem kommunistischen Staat reagieren zu müssen. Dann werden all die Berichte wieder zu einer Kollage zusammengefasst, die ein zuverlässiges Mosaik der Unzurechnungsfähigkeit der nord-koreanischen Führung zeigt. Es wird um die Bilder von Marschflugkörpern arrangiert, die Massenvernichtungswaffen in dem Land suchen. Und zehn Jahre später werden die alliierten abziehen und das Land sich selbst überlassen. Dann wäre, swas sich die Koreaner vermutlich am meisten wünschen: Nach fast 70 Jahren das erste Mal wieder ohne Besatzer.

Der Gipfel dieses Mediencoup, neudeutsch Medienhack, dürfte sein, das kein Nordkoreaner überhaupt etwas davon mitbekommen haben dürfte. Nordkorea zeichnet sich nicht nur durch ein Volk aus, das in Armut und Gefangenschaft lebt, sondern auch darüber über ein zu 100% gefiltertes Internet verfügen. An Stelle der „Great Firewall of China“ ist hinter dem Stacheldraht gar kein Empfang.

Tot oder liquidiert: Konservative Amerikaner über Julian Assange

Meine Meinungsfreiheit kennt seine Grenzen, und zwar die der USA. Das Heimatland der freien Meinung lässt Rechtsextremen walten, beschneidet deren gedanklichen Sondermüll nicht einmal im Netz. Religiöse Fundamentalisten haben dort sogar die Möglichkeit Präsident zu werden, allein Kraft der Macht der Medien und also der „Meinung“s“freiheit“ einer Hand voll Sender und Blätter. Genau in denen bekamen in den vergangenen Wochen einige besonders schillernde aber keineswegs unbekannte respektive unwichtige Persönlichkeiten ein Sprachrohr durch das sie zum Teil offen zum Mord an Julian Assange aufgerufen haben.

Allein in einem offenen Brief australischer Juristen, Journalisten und Politiker wird eine Hand voll Beispiele aufgezählt. Noch mal, weil es so unfassbar ist: Journalisten, Juristen und Politiker haben in einem offenen Brief den Umgang mit Assange angeprangert, nachdem konservative Politiker offen den Tot von Assange befürworteten. Frei übersetzt werden folgende Zitate angeführt (Übersetzung von mir):

  • »Wir sollten Assange behandeln wie hochrangige Terroristen, ihn töten.« (Jeffrey T. Kuhner, Radiomoderator, in der Washington Times)
  • »Warum können wir nicht unsere zahlreichen Möglichkeiten nutzen, Assange und seiner Mitarbeiter habhaften zu werden oder sie zu ermorden, wo auch immer sie sich aufhalten?« (William Kristol; „US-amerikanischer politischer Kommentator, Kolumnist und Politiker, der, wie sein Vater, wie sein Vater zu den bedeutendsten Protagonisten des Neokonservatismus in den USA gezählt wird“; englisches Originalzitat)
  • »Warum ist Assange nicht tot? (Jonah Goldberg; konservativer US-amerikanischer Publizist und Kommentator)
  • »Die CIA hätte Assange längst töten soll.« (John Hawkins in der Chicago Tribune; weiteres englisches Originalzitat)

Und das sind längst nicht alle. Die nötige Zeit vorausgesetzt würde sich die Liste vermutlich erheblich erweitern lassen, so beispielsweise um einen ehemaligen Kandidaten um die US-Präsidentschaft, »Mike Huckabee, ehemaliger US-Präsidentschaftskandidat, hat bereits die Todesstrafe gegen Wikileaks-Gründer Assange gefordert.« (Quelle: heise; via „burksblog: erschiessen, erhängen, vergasen“)

Anbetracht der Tatsache, das die US-Administration noch auf der Suche nach dem Gesetz ist, gegen das Wikileaks verstoßen haben soll, ein starkes Stück unseres Alliierten. Das sich die Regierung so zurückhält, und Assange tatsächlich noch nicht „von einem verwirrten Einzeltäter ermordet“ wurde, dürfte allein daran liegen, das der selbst eine Drohung ausgesprochen hatte: seine Arbeit fortzusetzen und im Fall seiner Liquidierung neue Dokumente in Umlauf zu bringen.

Wikileaks selbst hält derweil an der Veröffentlich von Unterlagen aus dem US-Finanzsektor und zum deutsch-israelischen Verhältnis fest. Angela „Teflon“ Merkel kann sich demnach schon mal ein paar Drohungen zurechtlegen, und unsere hiesige Bankenindustrie sollte schon mal den Schleudersitz kontrollieren, bei etwaig unbekannten Gefahren dürften die nächsten Milliarden der Steuerzahler zur Rettung strauchelnder Banken schon zur Verhandlungsmasse für die demnächst ausscheidende schwarz-gelbe Bundesregierung über deren Nachfolgeverträge in der freien Wirtschaft gehören. Bailout!